Written October 24, 2006 in gran canaria

Der Resident, das sozial unverträgliche Wesen ?
Autor: Franco (www.kanaren-insider.de)

Als einer, der seit vielen Jahren den verschiedensten Menschen beim Fussfassen und der Domizilsuche auf den Kanaren behilflich ist, interessiert man sich natürlich sehr dafür, wie die Herrschaften Residenten denn so leben, wie sie denken und wie sie handeln.
Auch fragt man sich, wie weit es denn mit der Integration her ist, ganz besonders jetzt, wo die Rahmenbedingungen dafür durch eine gemeinsame Währung, den Wegfall der Residencia und das kommunale Wahlrecht optimal sein sollten.

Viele, vor allem jüngere reihen sich problemlos ein, nehmen am kanarischen Gesellschafts- und Kulturleben teil, ein sehr grosser Teil der deutschen Inselbewohner jedoch hat zwar wohl einige eineimische Bekannte, echte Canario-Freunde aber kaum oder gar nicht. Man bleibt lieber unter sich.
Obwohl bei zahlreichen Residenten nach wie vor eine erschreckendes Desinteresse an der span. Sprache zu beobachten ist, darf bezweifelt werden, ob die Sprachbarriere allein der Grund dafür ist. Eher scheint es ein gewisser Dünkel und deutsche Vereinsmeierei zu sein. Sehr schade eigentlich, denn durch diese Distinguiertheit beraubt man sich zweifellos erheblicher Lebensqualität und Bereicherung in der Wahlheimat.
Apropos Wahl: Anlässlich der bevorstehenden Kanarischen Atonomiewahlen läge es doch sehr im Interesse des deutschen Residenten, etwas über Partei-Programme und vor allem über das Geleistete in der letzten Legislaturperiode zu wissen. Letzteres funktioniert jedoch nur, wenn man sich über längere Zeit hinweg in der einheimischen Lokalpresse oder TV schlau macht und das bedingt nun mal Sprachkenntnisse. Eine fundierte Meinungsbildung nur über Kleinanzeigen der Parteien in der deutschsprachigen Inselpresse oder Slogans auf Wahlplakate ist schlichtweg unmöglich.

Arroganz, Überheblichkeit und schlechtes Benehmen deutscher Isleros gegenüber den Canarios ist ein Dauerthema und wird es wohl noch lange bleiben. Zum Glück sind diese Zeitgenossen jedoch in der Minderheit. Andererseits sollte ein jeder sein Verhalten täglich prüfen, denn wenn ich in einem Gespräch - vielleicht sogar ohne böse Absicht und ohne es zu wollen - permanent “En Alemania ist das so und so” von mir gebe, muss ich mich nicht wundern, wenn mein Gegenüber mich spätestens beim dritten Mal freundlich schulterklopfend unterbricht und mir zu verstehen gibt, dass ich dann doch da bleiben solle, wo ich herkomme.

Soweit zum Thema Residentes-Canarios.
Interessante Beobachtungen macht man aber auch, wenn man sich mal ansieht wie einige Residenten untereinander umgehen.
Dieses Abkapseln in deutsche Kolonien, die Reduzierung des Freundes- und Bekanntenkreises bzw. des Umfeldes nur auf Landsleute hat leider häufig den Effekt, dass dieses Leben im nach aussen begrenzten Biotop quasi unter der Käseglocke die verrücktesten Blüten treibt - keine physische Inzucht, aber eben doch irgendwo eine Geistige!
Die limitierte Anzahl sozialer Kontakte, die immer gleichen Gesprächsthemen und Gesprächspartner und das Fehlen frischen Windes von aussen enden nicht selten in tödlicher Langeweile gepaart mit latenten Aggressionen und Neidgefühlen, die dann leider oftmals in allerlei Klatsch, Intrigen und manchmal sogar offene, längerfristige Feindschaften münden und ein Ventil suchen.

Die im KAKTUS vor ca. 2 Jahren veröffentlichte Geschichte*** über den Kleinkrieg zweier deutscher Familien auf Lanzarote ist leider kein Einzelfall. Auch auf anderen Inseln ist es offenbar zum Volkssport einiger Residenten geworden, seinen “Nächsten” - also vor allem den liebgewordenen Landsmann - nach Kräften zu piesaken und zu befehden. Es beginnt und bleibt oft ganz harmlos, in manchen Fällen sind daraus allerdings auch jahrelange und sehr ernste Auseinandersetzungen mutiert, in die ganze Residenten-Gruppen verwickelt waren und wo es auch schon Todesfälle gab.

Schlimm und peinlich genug, dass deutsche Insulaner einander gegenseitig immer wieder mit hirnrissigen und für zivilisierte Menschen völlig überflüssigen Anzeigen überziehen. Es geht um zu lautes Hundegebell, falsch abgestellte Fahrzeuge oder den berühmten Ast der ins Nachbargrundstück hineinragt.
Gartenzwergmentalität pur!
Die Zivilgerichtskammern der Verwaltungsbezirke Arona (Tenerife), Los Llanos de Aridane (La Palma) oder San Bartolomé (GC) können ein Lied davon singen. Teilweise blockieren die Eingaben der Residenten die - ohnehin nicht gerade zügige - Arbeit der Justiz auf Jahre hinaus und verhindern somit, dass in wesentlich wichtigeren und eiligeren Fällen Recht gesprochen wird. Der Prozentsatz der anhängigen Zivilklagen von Ausländern steht in eklatantem Gegensatz zur Bevölkerungsstruktur, also stimmt doch da irgendwas nicht!
Anders gesagt: bevor ein Canario zum Juzgado rennt und eine denunzia (normale Anzeige) oder gar eine querella (Strafanzeige) erwirkt, muss schon einiges passieren. Die Residenten täten gut daran, und das nicht nur in diesem Fall, den einheimischen Gepflogenheiten ein wenig zu folgen.

Andere Themafacette: wie gehen deutsche Residenten mit ihren urlaubenden Landleuten um?
Ehrlich gesagt, schockiert deren Verhalten zuweilen. Wenn es sich um deren eigene Freunde und Bekannte handelt, gehts ja noch. Die stehen sozusagen unter Artenschutz.
Oft genug ist jedoch ein sehr herablassendes Procedere zu verzeichnen, verächtliche Blicke und boshafte Kommentare, wenn einer mal kundtut, dass er hier “der Neue” ist und gedenkt, sich evtl. niederzulassen. Statt dem Newbie anständigerweise etwas unter die Arme zu greifen oder wenigstens mal nachzufragen, welche Ideen und Intentionen ihn denn treiben und ehrliches Interesse zu bekunden, wird er mit Spott überhäuft oder einfach nur geschnitten.
Äusserst bedenklich ist auch die Meinung einiger Residenten, es sollte jetzt mal endlich einen Zuzugs-Stop für Extanjeros (damit meinen sie IHRESGLEICHEN!) für die Kanaren geben.
“Hurra, wir waren als Erste hier und nach uns die Sintflut” - Lo siento, aber DAS kanns ja nun wirklich nicht sein und eine derartige Lesart ist obendrein für die gesamte deutsche Residenten-Gemeinschaft auf den Inseln sehr beschämend!
Diese Leute vergessen leider nur allzuschnell, dass sie selbst einmal in grauer Vorzeit das erste Mal als unwissender, aber ebenso faszinierter Besucher auf den Inseln umherirrten und froh darüber waren, dass irgendwer ihnen eine helfende Hand reichte.

Deshalb appeliere ich an alle “alten Insulaner”: Nur weil einer ein paar Jahre später als Ihr auf den Kanaren anlandet, muss er noch lange nicht schlechter-langweiliger-minderwertiger sein. Seht ihn Euch genau an. Hört ihm zu. Kommuniziert mit ihm!
Nur dann erfahrt Ihr, wer dieser Mensch wirklich ist und vielleicht erwächst daraus ja sogar eine lebenslange Freundschaft …

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